Blutdruck im Winter: Warum Kälte die Werte steigen lässt
Draußen wird es kalt und plötzlich zeigt das Blutdruckmessgerät höhere Werte als noch im Sommer. Das ist kein ungewöhnlicher Zufall. Bei Kälte verengen sich die Blutgefäße, damit der Körper weniger Wärme verliert. Dadurch steigt der Widerstand im Gefäßsystem und der Blutdruck kann zunehmen.
Wie stark der Effekt ausfällt, ist individuell. Manche Menschen bemerken kaum einen Unterschied, bei anderen verändern sich die Werte deutlich. Wichtig ist deshalb nicht ein einzelner Ausreißer, sondern die Entwicklung über mehrere Tage.
Warum steigt der Blutdruck bei Kälte?
Der Körper versucht bei niedrigen Temperaturen, die Wärme im Inneren zu halten. Die Gefäße in der Haut und in den Gliedmaßen ziehen sich zusammen. Das Blut fließt durch einen engeren Raum, wodurch der Druck im Gefäßsystem steigen kann. Die Deutsche Hochdruckliga beschreibt Kälte deshalb als Stressfaktor für die Blutdruckregulation.
Große Untersuchungen zeigen ebenfalls saisonale Unterschiede. Laut einer Auswertung der Hochdruckliga wurden die höchsten mittleren Blutdruckwerte im Winter und die niedrigsten im Sommer gemessen. Das bedeutet nicht, dass jede winterliche Erhöhung gefährlich ist. Sie sollte aber ernst genommen werden, wenn sie wiederholt auftritt.
So misst du im Winter vergleichbar
Miss nicht unmittelbar nach dem Heimkommen aus der Kälte. Setze dich zunächst mindestens fünf Minuten in einen normal temperierten Raum. Ziehe dicke Kleidung am Messarm aus und lege die Manschette nicht über den Pullover. Der Arm liegt entspannt auf Herzhöhe, beide Füße stehen auf dem Boden.
- Miss möglichst morgens und abends zur gleichen Zeit.
- Trinke vorher keinen Kaffee und rauche mindestens 30 Minuten vor der Messung nicht.
- Führe zwei Messungen im Abstand von etwa einer Minute durch.
- Notiere die Werte samt Datum und Uhrzeit.
- Nutze eine passende Oberarmmanschette.
Eine einzelne hohe Messung nach Stress, Bewegung oder Kälte sagt wenig aus. Eine kleine Messreihe ist für dich und deine Arztpraxis deutlich hilfreicher.
Darfst du Blutdrucktabletten im Winter anpassen?
Bitte ändere die Dosis nicht selbst. Wenn deine Werte über mehrere Tage höher liegen, besprich die Messungen mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Eine saisonale Anpassung kann bei manchen Menschen sinnvoll sein, gehört aber in medizinische Hände. Dasselbe gilt, wenn die Werte im Frühjahr wieder sinken.
Warmhalten ist trotzdem sinnvoll. Besonders Hände, Füße und Kopf kühlen schnell aus. Bewegung bringt den Kreislauf in Gang, ohne dass du dich überfordern musst. Ein zügiger Spaziergang kann reichen. Bei Glätte ist eine sichere Runde wichtiger als sportlicher Ehrgeiz.
Wann solltest du medizinische Hilfe holen?
Sehr hohe Werte ohne Beschwerden solltest du nach einigen Minuten Ruhe erneut messen. Bleiben sie stark erhöht, wende dich zeitnah an eine Arztpraxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Bei Brustschmerz, starker Atemnot, Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen, Verwirrtheit oder plötzlich sehr starken Kopfschmerzen gilt: Ruf sofort den Notruf 112.
Der Winter darf deine Messwerte beeinflussen, aber er sollte dich nicht zum täglichen Zahlenalarm verleiten. Messe unter vergleichbaren Bedingungen, beobachte den Verlauf und lasse die Behandlung ärztlich prüfen, wenn sich ein klares Muster zeigt.
