10 fast vergessene Weihnachtsbräuche aus unserer Kindheit
Weihnachten war früher nicht automatisch schöner, aber manches war anders. Wir haben Lamettafäden einzeln an den Baum gehängt, Weihnachtskarten auf der Kommode gesammelt und in der Fernsehzeitung angestrichen, was wir über die Feiertage auf keinen Fall verpassen durften.
Einige dieser Weihnachtsbräuche sind inzwischen fast verschwunden. Andere erleben gerade ein kleines Comeback. Wir haben zehn davon gesammelt, bei denen du vielleicht schon beim Lesen denkst: Stimmt, das haben wir auch gemacht!
1. Lametta einzeln an den Weihnachtsbaum hängen
Eine Lichterkette ist in drei Minuten am Baum, bei Lametta sah die Sache anders aus.
Die dünnen glänzenden Fäden wurden einzeln über die Zweige gelegt. Zumindest theoretisch. Praktisch landeten irgendwann fünf Fäden auf einem Ast, während der Rest des Baumes aussah, als hätte man beim Schmücken die Lust verloren.
Nach Weihnachten begann die zweite Runde. Wer besonders sparsam war, sammelte das Lametta wieder vom Baum und bewahrte es für das nächste Jahr auf.
Heute sieht man klassisches Lametta deutlich seltener. Glitzernde Anhänger und Lichterketten haben ihm vielerorts den Rang abgelaufen.
2. Den Weihnachtsbaum erst kurz vor Heiligabend schmücken
Anfang Dezember stand der Weihnachtsbaum bei vielen Familien noch nicht fertig dekoriert im Wohnzimmer.
Er wurde erst wenige Tage vor Weihnachten aufgestellt oder sogar erst am 24. Dezember geschmückt. Für Kinder gehörte genau dieses Warten zur Spannung vor Heiligabend.
Heute ziehen Weihnachtsbäume häufig schon deutlich früher ein. Verständlich, schließlich wäre es auch ein bisschen schade, einen mühsam geschmückten Baum nur wenige Tage anzusehen.
Falls du dieses Jahr noch nach Ideen für den Advent suchst, findest du bei uns auch Adventskalender 2026 im Test. Dort schauen wir uns die Kalender tatsächlich selbst an und verraten dir, welche sich lohnen.
3. Weihnachtskarten aufstellen und die Sammlung täglich erweitern
WhatsApp gab es nicht, E-Mails nur selten. Eine Weihnachtskarte war deshalb tatsächlich Post.
Im Dezember trudelten Karten von Verwandten, Freunden und Bekannten ein. Manche wurden an einer Schnur aufgehängt, andere standen auf dem Sideboard oder auf der Fensterbank. Mit jeder neuen Karte wurde die kleine Weihnachtsausstellung größer.
Natürlich gibt es Weihnachtskarten noch immer, trotzdem hat die schnelle Nachricht auf dem Handy einen großen Teil der Weihnachtspost ersetzt.
Vielleicht ist genau das ein Grund, dieses Jahr wieder zwei oder drei Karten von Hand zu schreiben. Eine Nachricht verschwindet im Chatverlauf. Eine Karte kann noch Wochen auf der Kommode stehen.
4. Den bunten Weihnachtsteller bekommen
Mandarinen, Nüsse, Schokolade und ein paar Plätzchen – fertig war der Weihnachtsteller.
Je nach Familie stand er am Nikolaustag bereit oder gehörte zu Heiligabend. Besonders luxuriös musste der Inhalt gar nicht sein. Entscheidend war, dass jeder seinen eigenen Teller bekam und zunächst sehr genau kontrollierte, ob beim Geschwisterkind vielleicht eine Schokolade mehr lag.
Ein solcher Teller funktioniert übrigens auch heute noch. Du kannst ihn mit selbst gebackenen Plätzchen, Lieblingssüßigkeiten und ein paar kleinen Überraschungen füllen.
Wenn du dafür noch Ausrüstung brauchst, haben wir zehn ziemlich coole Backutensilien für Weihnachten gesammelt. Ein Katzenpfoten-Ausstecher zählt selbstverständlich zur Grundausstattung.
5. Die Fernsehzeitung für Weihnachten studieren
Streamingdienst öffnen, Film auswählen, fertig. Früher erforderte das Weihnachtsprogramm deutlich mehr Planung.
In der Fernsehzeitung wurde schon Tage vorher geschaut, wann der Lieblingsfilm läuft. Interessante Sendungen bekamen einen Kreis, ein Kreuz oder einen dicken Strich mit dem Textmarker.
Und wenn zwei gute Filme gleichzeitig liefen, begann das echte Weihnachtsdrama.
Wer eine Videokassette und einen programmierbaren Recorder besaß, war klar im Vorteil. Vorausgesetzt, niemand hatte vergessen, die Kassette zurückzuspulen.
Heute können wir „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ beinahe jederzeit irgendwo finden. Ein bisschen von diesem Gefühl, zu einer ganz bestimmten Uhrzeit gemeinsam vor dem Fernseher sitzen zu müssen, ist damit allerdings verschwunden.
6. Echte Kerzen am Weihnachtsbaum anzünden
Dieser Weihnachtsbrauch ist nicht grundlos seltener geworden. Bevor elektrische Lichterketten selbstverständlich waren, leuchteten an vielen Weihnachtsbäumen echte Kerzen. Sie wurden mit kleinen Haltern an den Zweigen befestigt und natürlich nur unter Aufsicht angezündet.
Das Licht sah wunderschön aus. Die Kombination aus trockenen Tannennadeln und offener Flamme war allerdings weniger romantisch.
Heute sind LED-Lichterketten die deutlich entspanntere Lösung. Wer die warme Optik alter Baumkerzen mag, bekommt inzwischen sogar elektrische Varianten, die ihnen erstaunlich ähnlich sehen.
7. Plätzchendosen bis Weihnachten verteidigen
Plätzchen wurden gebacken, in Blechdosen gepackt und sollten selbstverständlich bis Weihnachten reichen. Das war zumindest der Plan.
In der Realität verschwanden bereits im Advent verdächtig viele Vanillekipferl. Irgendjemand musste schließlich kontrollieren, ob sie noch schmecken.
Besonders schön war die Mischung aus verschiedenen Sorten. Jede Dose roch beim Öffnen ein bisschen nach Weihnachten und meistens wusste man genau, welche Plätzchen von Oma, Mama oder der Nachbarin stammten.
Die Weihnachtsbäckerei lebt zum Glück weiter. Nur die Verteidigung der Keksdosen funktioniert in manchen Haushalten bis heute erstaunlich schlecht.
8. Einen Wunschzettel wirklich auf Papier schreiben
Keine Wunschliste im Onlineshop, kein verschickter Produktlink. Ein Blatt Papier und ein Stift mussten reichen.
Kinder malten ihre Wünsche, schnitten Bilder aus Spielzeugkatalogen aus oder schrieben in ihrer schönsten Schrift auf, was das Christkind oder der Weihnachtsmann bitte organisieren sollte.
Anschließend verschwand der Wunschzettel auf geheimnisvolle Weise. Heute lassen sich Wünsche natürlich viel einfacher teilen. Trotzdem hat ein handgeschriebener Wunschzettel etwas, das eine digitale Merkliste niemals ganz hinbekommt.
Und wer längst selbst für die Adventsüberraschungen zuständig ist, kann sich durch unsere Adventskalender-Ideen für 2026 stöbern. Schokolade ist dort längst nicht die einzige Möglichkeit.
9. Unter dem Weihnachtsbaum gemeinsam singen
„O Tannenbaum“, „Stille Nacht“ oder „Ihr Kinderlein kommet“ gehörten in vielen Familien zu Heiligabend.
Manchmal wurde ein Instrument ausgepackt. Manchmal sang die ganze Familie ohne Begleitung. Und manchmal wusste spätestens bei der zweiten Strophe niemand mehr so genau, wie der Text weitergeht.
Heute kommt die Weihnachtsmusik häufiger aus dem Lautsprecher. Das klingt vermutlich besser. Ob es genauso lustig ist, darf bezweifelt werden.
Niemand verlangt schließlich ein Weihnachtskonzert. Schon ein einziges gemeinsam gesungenes Lied kann reichen, um einen alten Brauch wieder hervorzuholen.
10. Erst nach der Bescherung durfte gespielt werden
Die Geschenke lagen unter dem Baum. Man konnte sie sehen. Man durfte sie aber noch nicht anfassen.
Erst wurde gegessen. Oder gesungen. Oder die Weihnachtsgeschichte vorgelesen. Je nach Familie gab es irgendeine letzte Hürde zwischen einem selbst und diesem verdächtig großen Paket mit dem eigenen Namen darauf.
Für Kinder konnten diese letzten Minuten ungefähr sieben Stunden dauern und dann kam endlich die Bescherung.
Das erste neue Spielzeug wurde häufig noch am selben Abend ausprobiert. Baukästen lagen auf dem Wohnzimmerboden, Puppen bekamen Namen und bei Brettspielen wurde spätestens eine Stunde später darüber gestritten, ob jemand geschummelt hatte.
Eigentlich ein ziemlich schöner Abschluss für Heiligabend.
Welche Weihnachtsbräuche sind bei dir geblieben?
Nicht jeder alte Weihnachtsbrauch muss zurückkommen. Auf brennende Kerzen direkt neben trockenen Tannenzweigen können wir beispielsweise hervorragend verzichten.
Andere Traditionen verdienen dagegen vielleicht noch eine Runde.
Eine handgeschriebene Weihnachtskarte kostet fast nichts, ein Weihnachtsteller ist schnell zusammengestellt. Und niemand hindert dich daran, dieses Jahr wieder einen Wunschzettel zu schreiben, selbst wenn darauf inzwischen eher „neue Kopfhörer“ als „Barbie-Traumhaus“ steht.
Am Ende sind es ohnehin selten die perfekt dekorierten Häuser, an die wir uns später erinnern. Es sind die kleinen Sachen, die jedes Jahr wieder passieren.
Beitragsbild mit KI erstellt.